IT-Berufe an der BBS Haarentor
Das Feld der Datenverarbeitungsfachleute hat in den letzten 25
Jahren ein enormes Wachstum erlebt. Seit den siebziger Jahren
hat sich die Anzahl der Beschäftigten in diesem Bereich etwa
verfünffacht und dürfte heute bei über 300.000
liegen. Derzeit suchen Betriebe von allen Software - Entwickler,
Systemspezialisten sowie Vertriebsprofis. Große Zuwächse
verzeichnen daneben die Angebote an Netzwerk- und
Kommunikationsexperten
und Datenbankprofis, aber auch Projektleiter sind gefragt.
Durch die Erschließung immer neuer Anwendungsbereiche und die Herausbildung dezentraler Organisationsformen haben sich in den letzten 20 Jahren außerhalb der Ordnungsebene der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe über 200 unterschiedliche Tätigkeitsbezeichnungen im Bereich der Entwicklung, Anwendung und Wartung moderner Informations- und Kommunikationssysteme (luK) herausgebildet.
Um dieses attraktive Beschäftigungsfeld, das bisher
überwiegend
von Hochschulabsolventen und Quereinsteigern geprägt war;
auch für Absolventen der dualen Berufsausbildung weiter zu
öffnen, wurden seit Frühjahr d. J. im Bundesinstitut
für Berufsbildung in Berlin mit Sachverständigengruppen
aus den Fachverbänden der gewerblichen Wirtschaft und der
Fachgewerkschaften Vorschläge für neue duale
Ausbildungsgänge
im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik erarbeitet.
Im Mai 1996 einigten sich die Tarifvertragsparteien auf die Eckwerte
für vier neue Ausbildungsberufe in der luk - Technik; d.
h. die Berufsbezeichnung und die Ausbildungdauer; die Zuordnung
zu einem Berufsfeld, die Struktur des jeweiligen Berufsprofils
und den Qualifikationskatalog des Berufs. Diese Eckwerte wurden
im gleichen Monat vom zuständigen Bundesministerium für
Wirtschaft im wesentlichen bestätigt. Damit bestehen gute
Chancen, daß ab 1. August 1997 in diesen vier neuen luk
- Berufen ausgebildet werden kann.
Drei der neuen Berufe richten sich an die luk - Hersteller- und
Dienstleistungsunternehmen und zwar:
IuK-System-Elektroniker/in,
Fachinformatiker/in mit den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung
Fachinformatiker/in mit den Fachrichtungen Systemintegration,
IuK-System-Kaufmann/-frau
Innerhalb dieser drei Ausbildungsberufe wurden unterschiedliche
Einsatzgebiete beschrieben, um den unterschiedlichen Anforderungen
innerhalb der luK-Technik zu entsprechen und vielen Unternehmen
die Möglichkeit zur Ausbildung zu geben.
Der vierte Beruf:
Informatikkaufmann/-frau
ist ein Ausbildungsberuf für die Iuk-Anwendungs- und
Abnehmerunternehmen
aus unterschiedlichen Branchen. In seiner Ausbildung wird durch
branchenspezifische Fachpläne den unterschiedlichen inhaltlichen
Anforderungen der Betriebe aus verschiedenen Wirtschaftszweigen
Rechnung getragen, so daß für den Beruf
,,Informatikkaufmann/-frau"
künftig in den Bereichen Handel, Banken, Versicherungen,
Industrie, Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltung und
Dienstleistungen
neue Ausbildungsplätze erschlossen werden können.
TOP
2. Kernqualitikationen
Die Ausbildungsdauer beträgt jeweils drei
Jahre. Für
alle vier Berufe wurden gemeinsame Kernqualifikationen definiert,
die ca. 50 Prozent der Gesamtinhalte für jeden der vier neuen
Berufe ausmachen und über die gesamte Ausbildungszeit vermittelt
werden sollen. Sie betreffen
das spezifische Profil des Ausbildungsbetriebes
Betriebswirtschaft und Arbeitsorganisation
luK-Produkte
Programmierung
Konzeption von luk-Systemen
luK-Markt und Kundenorientierung
Service und Support von luk-Systemen.
Mit ihren differenzierten Zuschnitten stellen die vier neuen Berufe, die bisherigen Berufe Datenverarbeitungskaufmann/-kauffrau und Mathematisch- technische(r) Assistent(in) ablösen sollen, ein attraktives Angebot des dualen Systems dar für die unterschiedlichen Anforderungen der Anbieter- und Anwendungsunternehmen im luk-Bereich. Zugleich bieten diese vier Berufe den Betrieben, die bisher vor allem in elektrotechnischen Berufen ausgebildet haben, neue Ausbildungsmöglichkeiten.
Gemeinsame Kernqualifikationen für ein Berufebündel
zu definieren, ist eine Neuerung in der Berufsbildungspolitik.
Die gemeinsamen Qualifikationen eines Berufebündels, zum
Beispiel in den Elektroberufen, wurden in einer gemeinsamen
Grundbildung
- erstes Jahr der Berufsausbildung - fixiert. Im Unterschied zu
solch einer gemeinsamen Grundbildung sind diese Kernqualifikationen
über sämtliche drei Ausbildungsjahre verteilt. Diese
neue Definition von gemeinsamen ,,identischen" Qualifikationen
bringt Vorteile:
Die Ausbildung, insbesondere im ersten
Ausbildungsjahr, kann
sich schon mit Beginn an der Grundlegung des Berufsprofils orientieren.
Auszubildende wissen somit schon eingangs der Ausbildung, was
das Wesentliche der speziellen Arbeit im Beruf sein dürfte.
Der sogenannte Praxisschock gegen Ende der Ausbildung, oder nach
Ausbildungsabschluß, dürfte somit erheblich reduziert
werden können.
Diese Konstruktion ist somit auch ein
Gewinn für die ausbildenden
Betriebe. Die Ausbildung kann sich stärker an den betrieblichen
Anforderungen orientieren. Die bisherige Lehrwerkstattausbildung
im ersten Ausbildungsjahr kann erheblich reduziert bzw. sinnvoller
über die ganze Ausbildungsdauer verteilt werden.
Möglicherweise wird das eine oder andere Berufsprofil dieser
mehr als fünf neuen Berufsprofile von der Praxis nicht angenommen
bzw. fällt der rasanten Entwicklung des Technikeinsatzes
zum Opfer. Der Multi-Media-Sektor wird mit diesen neuen Berufsbildern
weidlich ausgestattet. Vieles an Multi-Media und luk wird allerdings
auch als Ausbildungsinhalt in die Altberufe fließen. Bank-
kaufleute, Versicherungskaufleute Verwaltungsfachangestellte,
aber auch die Gewerblich-Technischen wie Elektriker/-innen,
Installateure/lnstallateurinnen
wollen und werden Multi-Media/luK selbst nutzen.
Detailierte Informationen zu den einzelnen Berufen sind auf der
Fachtagung des Bundesinstitutes für Berufsbildung vom 16.
bis 18. Oktober d.J. im ICC Berlin zu erhalten, dort insbesondere
in der Veranstaltungsreihe:
Stand und Perspektiven der Neuordnung von
Ausblldungsberufen der Informations- und
Kommunikationsbranche
Kongreßinfo:
Bundesinstitut für Berufsbildung, FK ,96, 10702 Berlin
TOP
3. Schnelle Umsetzung in die Ausbildungspraxis:
Die neuen Berufe in der AV-Branche (Mediengestalter/in Bild und
Ton, Film- und Videoeditor/in) haben gezeigt, daß der
Verordnungsgeber
sowie alle Beteiligten beim Neuordnungsverfahren sehr schnell
zu einem gemeinsamen Ergebnis, sprich Verordnungstext, kommen
können.
Sollen die neuen luK-Berufe ebenfalls schnell in der Ausbildungspraxis
ankommen, ist die Information und Werbung der beteiligten Verbände
und Institutionen bei Firmen, öffentlichen Einrichtungen,
Betriebs- und Personalleitern, Betriebs- und Personalräten
gefordert. Dies ist dringend notwendig. Denn sowohl quantitativ
- Stichwort Lehrstellendefizit - als auch qualitativ - zukunftsweisende
Ausbildungsinhalte - könnten diese vier neuen Berufe Volltreffer
werden.