IT-Berufe an der BBS Haarentor

 

Gliederung:

  1. Eckwert der neuen Berufe
  2. Kernqualifikationen
  3. Schnelle Umsetzung in die Ausbildungspraxis
  4. IT - System - Elektroniker/in
  5. Fachinformatiker/in Fachrichtung Anwendungsentwicklung
  6. Fachinformatiker/in Fachrichtung Systemintegration
  7. IT-System-Kaufmann
  8. Informatikkaufmann/-frau
  9. Die Kernqualifikationen


1. Eckwerte der neuen Berufe

Das Feld der Datenverarbeitungsfachleute hat in den letzten 25 Jahren ein enormes Wachstum erlebt. Seit den siebziger Jahren hat sich die Anzahl der Beschäftigten in diesem Bereich etwa verfünffacht und dürfte heute bei über 300.000 liegen. Derzeit suchen Betriebe von allen Software - Entwickler, Systemspezialisten sowie Vertriebsprofis. Große Zuwächse verzeichnen daneben die Angebote an Netzwerk- und Kommunikationsexperten und Datenbankprofis, aber auch Projektleiter sind gefragt.

Durch die Erschließung immer neuer Anwendungsbereiche und die Herausbildung dezentraler Organisationsformen haben sich in den letzten 20 Jahren außerhalb der Ordnungsebene der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe über 200 unterschiedliche Tätigkeitsbezeichnungen im Bereich der Entwicklung, Anwendung und Wartung moderner Informations- und Kommunikationssysteme (luK) herausgebildet.

Um dieses attraktive Beschäftigungsfeld, das bisher überwiegend von Hochschulabsolventen und Quereinsteigern geprägt war; auch für Absolventen der dualen Berufsausbildung weiter zu öffnen, wurden seit Frühjahr d. J. im Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin mit Sachverständigengruppen aus den Fachverbänden der gewerblichen Wirtschaft und der Fachgewerkschaften Vorschläge für neue duale Ausbildungsgänge im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik erarbeitet.

Im Mai 1996 einigten sich die Tarifvertragsparteien auf die Eckwerte für vier neue Ausbildungsberufe in der luk - Technik; d. h. die Berufsbezeichnung und die Ausbildungdauer; die Zuordnung zu einem Berufsfeld, die Struktur des jeweiligen Berufsprofils und den Qualifikationskatalog des Berufs. Diese Eckwerte wurden im gleichen Monat vom zuständigen Bundesministerium für Wirtschaft im wesentlichen bestätigt. Damit bestehen gute Chancen, daß ab 1. August 1997 in diesen vier neuen luk - Berufen ausgebildet werden kann.

Drei der neuen Berufe richten sich an die luk - Hersteller- und Dienstleistungsunternehmen und zwar:

IuK-System-Elektroniker/in,
Fachinformatiker/in mit den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung
Fachinformatiker/in mit den Fachrichtungen Systemintegration,
IuK-System-Kaufmann/-frau

Innerhalb dieser drei Ausbildungsberufe wurden unterschiedliche Einsatzgebiete beschrieben, um den unterschiedlichen Anforderungen innerhalb der luK-Technik zu entsprechen und vielen Unternehmen die Möglichkeit zur Ausbildung zu geben.

Der vierte Beruf:
Informatikkaufmann/-frau
ist ein Ausbildungsberuf für die Iuk-Anwendungs- und Abnehmerunternehmen aus unterschiedlichen Branchen. In seiner Ausbildung wird durch branchenspezifische Fachpläne den unterschiedlichen inhaltlichen Anforderungen der Betriebe aus verschiedenen Wirtschaftszweigen Rechnung getragen, so daß für den Beruf ,,Informatikkaufmann/-frau" künftig in den Bereichen Handel, Banken, Versicherungen, Industrie, Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltung und Dienstleistungen neue Ausbildungsplätze erschlossen werden können.
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2. Kernqualitikationen

Die Ausbildungsdauer beträgt jeweils drei Jahre. Für alle vier Berufe wurden gemeinsame Kernqualifikationen definiert, die ca. 50 Prozent der Gesamtinhalte für jeden der vier neuen Berufe ausmachen und über die gesamte Ausbildungszeit vermittelt werden sollen. Sie betreffen

das spezifische Profil des Ausbildungsbetriebes

Betriebswirtschaft und Arbeitsorganisation

luK-Produkte

Programmierung

Konzeption von luk-Systemen

luK-Markt und Kundenorientierung

Service und Support von luk-Systemen.

Mit ihren differenzierten Zuschnitten stellen die vier neuen Berufe, die bisherigen Berufe Datenverarbeitungskaufmann/-kauffrau und Mathematisch- technische(r) Assistent(in) ablösen sollen, ein attraktives Angebot des dualen Systems dar für die unterschiedlichen Anforderungen der Anbieter- und Anwendungsunternehmen im luk-Bereich. Zugleich bieten diese vier Berufe den Betrieben, die bisher vor allem in elektrotechnischen Berufen ausgebildet haben, neue Ausbildungsmöglichkeiten.

Gemeinsame Kernqualifikationen für ein Berufebündel zu definieren, ist eine Neuerung in der Berufsbildungspolitik. Die gemeinsamen Qualifikationen eines Berufebündels, zum Beispiel in den Elektroberufen, wurden in einer gemeinsamen Grundbildung - erstes Jahr der Berufsausbildung - fixiert. Im Unterschied zu solch einer gemeinsamen Grundbildung sind diese Kernqualifikationen über sämtliche drei Ausbildungsjahre verteilt. Diese neue Definition von gemeinsamen ,,identischen" Qualifikationen bringt Vorteile:

Die Ausbildung, insbesondere im ersten Ausbildungsjahr, kann sich schon mit Beginn an der Grundlegung des Berufsprofils orientieren. Auszubildende wissen somit schon eingangs der Ausbildung, was das Wesentliche der speziellen Arbeit im Beruf sein dürfte. Der sogenannte Praxisschock gegen Ende der Ausbildung, oder nach Ausbildungsabschluß, dürfte somit erheblich reduziert werden können.

Diese Konstruktion ist somit auch ein Gewinn für die ausbildenden Betriebe. Die Ausbildung kann sich stärker an den betrieblichen Anforderungen orientieren. Die bisherige Lehrwerkstattausbildung im ersten Ausbildungsjahr kann erheblich reduziert bzw. sinnvoller über die ganze Ausbildungsdauer verteilt werden.

Möglicherweise wird das eine oder andere Berufsprofil dieser mehr als fünf neuen Berufsprofile von der Praxis nicht angenommen bzw. fällt der rasanten Entwicklung des Technikeinsatzes zum Opfer. Der Multi-Media-Sektor wird mit diesen neuen Berufsbildern weidlich ausgestattet. Vieles an Multi-Media und luk wird allerdings auch als Ausbildungsinhalt in die Altberufe fließen. Bank- kaufleute, Versicherungskaufleute Verwaltungsfachangestellte, aber auch die Gewerblich-Technischen wie Elektriker/-innen, Installateure/lnstallateurinnen wollen und werden Multi-Media/luK selbst nutzen.



Detailierte Informationen zu den einzelnen Berufen sind auf der Fachtagung des Bundesinstitutes für Berufsbildung vom 16. bis 18. Oktober d.J. im ICC Berlin zu erhalten, dort insbesondere in der Veranstaltungsreihe:

Stand und Perspektiven der Neuordnung von

Ausblldungsberufen der Informations- und

Kommunikationsbranche


Kongreßinfo:

Bundesinstitut für Berufsbildung, FK ,96, 10702 Berlin
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3. Schnelle Umsetzung in die Ausbildungspraxis:

Die neuen Berufe in der AV-Branche (Mediengestalter/in Bild und Ton, Film- und Videoeditor/in) haben gezeigt, daß der Verordnungsgeber sowie alle Beteiligten beim Neuordnungsverfahren sehr schnell zu einem gemeinsamen Ergebnis, sprich Verordnungstext, kommen können.

Sollen die neuen luK-Berufe ebenfalls schnell in der Ausbildungspraxis ankommen, ist die Information und Werbung der beteiligten Verbände und Institutionen bei Firmen, öffentlichen Einrichtungen, Betriebs- und Personalleitern, Betriebs- und Personalräten gefordert. Dies ist dringend notwendig. Denn sowohl quantitativ - Stichwort Lehrstellendefizit - als auch qualitativ - zukunftsweisende Ausbildungsinhalte - könnten diese vier neuen Berufe Volltreffer werden.



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